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Geschichten aus vergessenen Königreichen, Teil 1 ist ein Buch, dessen Text in den Spieldateien von Divine Divinity zu finden ist. Es ist unbestätigt, ob dieses Buch tatsächlich im Spiel zu finden ist.

Inhalt[]

Teil I

GESCHICHTEN AUS VERGESSENEN KÖNIGREICHEN

Der Rabe landete auf dem knorrigen Ast der alten Eiche, den die Menschen Galgenbaum nannten. Eine Weile besah er sich das rege Treiben auf dem Marktplatz.
Ein buntes Völkchen hatte sich zum Frühjahrsfest hier versammelt. Da tummelten sich stolze Elfen und kauzige Zwerg zwischen den Menschen. Vereinzelt sah er einen Echsen- oder Katzenmensch durch die Menge schreiten und ein paar Halblinge, die sich ihren Weg zwischen den Beinen der Menschen freischaffen mussten.
Als er noch überlegte, ob es sicher wäre sich den Fleischbrocken vom Boden zu stibitzen, wurde seine Aufmerksamkeit auf einer Horde Reiter gelenkt, die sich rücksichtslos den Weg durch die Menge bahnten. Sie hielten ihre Pferde direkt unter seinem Ast an. Einer der Reiter, ein kleiner Mann in einem blauen Gewand mit viel Funkelzeug an Händen und Hals, stieg ab. Er zog ein Pergament aus der Satteltasche und hantierte damit am Stamm seines Baumes.
Unschlüssig, ob er wegfliegen oder bleiben sollte, fing der Rabe an sein Gefieder zu putzen. Den Mann ließ er allerdings nicht aus den Augen. Der aber stieg wieder auf sein Pferd und ritt mit den anderen Reitern davon. Neugierig beäugte der Rabe das Pergament, dass der Mann am Baum vergessen hatte. Eine hellbraune Haut mit lauter kleinen schwarzen Flecken, die für die umstehenden von magischer Anziehungskraft schien. Jetzt wurde es ihm eindeutig zu voll unter dem Baum und er breitete seine Schwingen aus und erhob sich in das blaue Himmelszelt.
Da dieser Rabe nicht lesen konnte, zumindest nicht diese, auf dem Blatt Pergament verwendete Schrift, wusste er auch nicht, WESHALB dieses Blatt solche Anziehungskraft auf die ganzen Menschen und anderen Besucher dieses Festes zu haben schien.
Denn dieses Blatt, das da am Baum hing, hatte ganz erstaunliche Neuigkeiten zu bieten.

Ein Mann, welcher ganz vorn in der Menge stand, beäugte das Pergament, und begann dann laut vorzulesen, damit alle hören konnten was auf diesem Pergament steht:

"Mein Volk,
durch einen hinterlistigen Angriff eines Alten Lindwurms, wurde mir meine jüngste Tochter geraubt. Zudem stellte der Lindwurm noch die Forderung, das ich sämtliche Erträge unserer Felder und die Hälfte aller Nutztiere zu entrichten habe, oder er werde dem Land Verderben bringen. Ich fordere alle hiermit auf einen aktiven Widerstand gegen die Forderungen des Lindwurms 'Gezitrdoch' aufrechtzuerhalten. Außerdem biete ich demjenigen der den Lindwurm tötet 1,000 Goldstücke und die Hand meiner jüngsten Tochter.
gez. König Fasabar el Radiash"

Eine Frau in der typischen Kleidung der Südländer drängelte sich durch die Menge nach vorne.
"Na das ist doch mal wieder typisch für diese Hinterwäldler. Die Hand der Tochter, als wenn nur Männer in der Lage wären zu kämpfen. Seine Tochter kann dieser König gerne behalten, aber die Dukaten werde ich mir holen.
Was steht da noch? Fähige Kämpfer oder Magier sollen sich bei Hauptmann Timogrim von der Stadtgarde melden. Na dann nichts wie auf zum Hauptquartier der Stadtgarde. Macht gefälligst mal Platz Leute."

Thorwyn ging eben noch in den nächsten Raum rechts, entschärfte mit einem kritischen Erfolg die vorhandene Falle und nahm sich das magische Schwert, das unter dem Stuhl klebte. Unglücklicherweise war es eine intelligente Waffe, die unentwegt vor sich hin plapperte und ihm den letzten Nerv raubte, während er auf dem Weg zum Hauptquartier der Stadtgarde war. Dort angekommen sah er, dass sich auch einige Frauen für die Queste bewerben, was er, nachdem er seinen Obolus in die Chauvie-Kasse eingezahlt hatte, mit einem süffisanten Lächeln quittierte.

Plötzlich drückte ein kräftig gebauter, sehr böse dreinschauender Zwerg in einer aus Ketten und Lederstücken zusammengenähten Rüstung die Leute beiseite, sprang vor und brüllte herumhüpfend:
"WO IST DER DRACHEN? LASST IHN MIR!!!"
Dabei schwenkte er wild eine riesige Plasmakanone hin und her, die fast so groß war wie er selbst. Die Menge wich entsetzt auseinander. Unmittelbar darauf bahnte ein riesiger Nordländer in Waldläuferkleidung sich seinen Weg nach vorne, gab dem Zwerg einen mächtigen Hammerschlag mit der Faust auf den Helm, dass dieser dem Zwerg über das ganze Gesicht rutschte und er desorientiert auf seinen Hosenboden plumpste, nahm ihm die Waffe weg und warf sich das zappelnde Bündel über die Schulter. Entschuldigend meinte er anschließend zu den Umstehenden: "Tut mir leid, falsches Spiel..."
Als er wieder in der Menge verschwand, hörte man ihn noch missmutig brummeln: "Und ich habe ihm noch gesagt, er soll nicht soviel Quake spielen..."

Inzwischen erörterte Hauptmann Timogrim von der Stadtwache zusammen mit dem Ratgeber von König Fasabar einige strategische Fragen:

Sollte er nur die Helden einzeln zum Drachen schicken oder lieber in Gruppen?
was ist wenn eine Frau die Aufgabe löst oder ein schon verheirateter Mann?

Der Ratgeber beschloss den König zu überreden, statt der Tochter noch weitere 1,000 Goldstücke anzubieten, wenn ein Held die Aufgaben löste und die Tochter ihn nicht wollte. Außerdem wäre es so auch möglich, einer Gruppe von Helden die Aufgaben zu übertragen, denn wie soll eine Tochter unter einer Gruppe von Helden aufgeteilt werden?
Inzwischen legten sie schon mal eine Liste der Helden an, also da waren:

1. Die Südländerin
2. Thorwyn mit dem magischen Schwert
3. ----

Hauptmann Timogrim und der Ratgeber stellten fest, dass die Liste wohl noch etwas kurz war und beschlossen, mit dem König über eine Erhöhung der Preisgelder zu sprechen.

Unterdessen hatte, nachdem sich die Menge verlaufen hatte, auch ein schlauer Fuchs den Aufruf gelesen. Da er stets für die gerechte Sache kämpfte, beschloss er sofort, dem König zu helfen.
Da er jedoch wusste, dass seine wahre Gestalt die Menschen abschrecken würde, lief er zu einem befreundeten Magier, der ihn vorübergehend in eine menschliche Gestalt brachte, die dennoch gewisse Ähnlichkeit mit seinem wahren Ich aufwies.
So sprach auch er beim König vor, und da er gut gerüstet war und zudem auf die Belohnung verzichtete, da ihm das Vernichten eines Lindwurms eine Freude sei, wurde auch er mit der Sache beauftragt. Nichtsdestotrotz brachten ihm die beiden anderen Abenteurer zunächst ein gewisses Misstrauen entgegen, da sie sich nicht vorstellen konnten, warum er auf 2,000 Goldstücke verzichten sollte.

Schon aus beeindruckender Entfernung hörten der König und seine Ratgeber ein lautes Poltern, mehrere zu Boden gehende menschliche Körper und ein lautes, leicht lallendes "Das wohl!". Kurze Zeit später stand der Urheber des Aufruhrs vor dem König, versuche sich an einer recht ungeübt und dadurch zusätzlich lächerlich wirkenden Verbeugung und ließ den verblüfften König wissen: "Bei Swevnir! Der Lindwurm, der es mit Ulath, dem Thirvalder, aufnehmen kann, muss erst noch geboren werden! Ich werde die Heldengruppe anführen! Das wohl!" *murmelnd* "irgendwo noch´n Premer Feuer in der Nähe?"
Mit diesen Worten torkelte er davon.
Als der König sich wieder gefasst hatte, rieb er sich seinen sauber gestutzten Bart und meinte nachdenklich zu seinen Ratgebern: "Ob das wohl gut geht? Es scheint mir doch eine recht eigenwillige Gruppenzusammenstellung zu werden. Und wer der Anführer dieser Gruppe wird, steht auch noch in den Sternen. Hoffentlich besiegen sie erst den Lindwurm, bevor sie sich gegenseitig an die Kehle gehen ..."

Unterdessen hörten die Diener aus den Gemächern der ältesten Tochter des Königs ein lautes Geschrei und Gezeter. Doch da sie die gefürchteten Launen der Tochtererbin kannten, verzogen sie sich rasch aus dem Gang. Hätten sie doch nur ein wenig länger zugehört...
"Wie kann Vater nur immer wieder meine kleine Schwester so bevorzugen? 2,000 Goldstücke will er für ihre Rettung ausgeben. Und der Retter soll IHRE Hand bekommen, nicht etwa meine. Dabei ist sie doch nur halb so hübsch, wie ich! Und was ist, wenn sie wirklich gerettet wird? Nachher plappert das dumme Ding auch noch über die Umstände, WIE der Lindwurm sie entführen konnte. Das können wir doch wirklich nicht zulassen, oder?"
Mit im Raum saß ihr Halbbruder. Es war schon lange abzusehen, dass seine Gaunereien, zu denen Diebstahl, Verrat, Erpressung und Meuchelmord zählten, ihn eines Tages an den Galgen bringen würden. Natürlich nickte er jetzt zustimmend.
"Ja, dass können wir nicht zulassen! Hast Du die Idioten gesehen, die sich auf den Weg zur Rettung der Unglückseligen gemacht haben? Die können ja nicht einmal eine Katze aus einem Baum retten!"
"Trotzdem musst Du ihnen sofort nach, und dafür sorgen, dass sie niemals wieder zurückkommen!" meinte die verschlagene Tochter. Und gnadenlos fügte sie hinzu: "Ich werde dir von hier aus mit meiner Magie helfen können. Verlier bloß mein Amulett nicht! Und wenn neben unserer verhassten Schwester auch noch der dumme Lindwurm tot auf der Strecke bleibt, umso besser..."

Nur eine Stunde später, es war schon dunkel, verließ eine dunkle Gestalt das Schloss, um die nichts ahnende tapfere Heldengruppe zu verfolgen...

Es war wohl kurz nach Mitternacht... Eine Wolke schob sich vor den Mond. Dennoch hätte ein aufmerksamer Beobachter sehen können, wie eine Fledermaus sich an einen Ast der alten knorrigen Eiche hängte und dort kurz verweilte.
Bevor die Wolke den Mond freigab, flatterte die Fledermaus auch schon wieder davon, auf der Suche nach nahrhaften Insekten.

In einer anderen Ecke des Städtchens packte inzwischen ein junger Mann namens Aidan seinen Rucksack. Er hatte die jüngste Prinzessin letztens bei einem Volksfest gesehen war von ihrer Schönheit bezaubert, da er aber ziemlich arm und ohne irgendeinen Einfluss am Hofe war und noch dazu nicht mal richtig kämpfen konnte waren seine Chancen die Prinzessin näher kennenzulernen sehr schlecht. Nachdem er nun den Aufruf gelesen hatte sah er darin einen Weg die Prinzessin zu erhalten oder zu sterben.
Aidan wusste natürlich, dass kaum eine Heldengruppe ihn in ihren Reihen dulden würde. Er kannte zwar von seine Großmutter einige Rezepte für Heiltränke und auch Pflanzen die Kraft und Mut förderlich waren, aber kämpfen konnte er nicht. Seien Waffe war die Laute. Aidan war ein begnadeter Sänger, der seinen Lebensunterhalt mit singen verdiente. Er packte also einige Tränke und Pflanzen ein schnappte sich die Laute und lief der Heldengruppe hinterher.
Unterdessen setzte die Gruppe der Abenteurer ihren Weg zum Lager des Lindwurms fort. Die vier ungleichen Gesellen hüllten sich in eisiges Schweigen, während sie einander misstrauisch beäugten.

Sajet, die Südländerin, musterte ihre ungewollten Gefährten um ihre Stärken und Schwächen abzuschätzen.
Der Thirvalder Ulath, der immer noch unter dem Einfluss des übermäßigen Alkoholgenusses litt, machten einen starken durchtrainierten Eindruck. Die Axt, die er bei sich trug war am Griff sehr abgewetzt und erzählte von häufigen Einsatz. Allerdings könnte es gut sein, dass er im nüchternen Zustand seinen Mut sich mit einem Lindwurm anzulegen, verlieren würde. Außerdem machte er einen Höllenlärm während er hinter ihnen drein torkelte, so dass damit zu rechnen war, dass sie von einer Gruppe Wegelagerer entdeckt wurden. Überhaupt versprach dieser Hitzkopf eine Menge Ärger auf ihrer dreitägigen Reise zum Lindwurm.
Der Rotschopf dagegen war vom schlankem zierlichen Körperbau und hatte feine gepflegte Finger. Finger, die weniger von harter Arbeit als vom Studieren der Bücher erzählten. Sajet hoffte, dass dieser Geselle die Kunst der Magie beherrschte, denn als Krieger konnte sie ihn sich nicht vorstellen. Andererseits, würde ein Gelehrter, der die meiste Zeit seines Lebens in der Stube verbrachte, derart lautlos schleichen können und mit seinen intelligenten Augen die Umgebung durchforschen.
Der Fuchs, wie sie diesen Kameraden insgeheim nannte, war ihr ein Rätsel.
Thorwyn dagegen war leichter einzuschätzen. Wie Ulath machte auch Thorwyn einen durchtrainierten Eindruck und schien sein seltsames Schwert gut zu beherrschen. Vielleicht handelte er manchmal schneller als er dachte, doch er schien ihr ein offener und humorvoller Bursche zu sein. Er schritt munter aus und achtete kaum auf die Umgebung. Seine Gedanken schienen nur bei dem bevorstehenden Abenteuer zu weilen.
Sajet zog gerade den Rückengurt ihrer beiden Krummschwerter fester, als sie hinter der Gruppe einen Zweig knacken hörte. Unwillkürlich griff sie nach ihrem Dolch und ging zu dem Rotschopf herüber.
"Hey Rotschopf," flüsterte sie ihm zu. "Ich habe das Gefühl, dass uns da jemand verfolgt. Du beobachtest doch die ganze Zeit unsere Umgebung. Hast Du vielleicht auch was verdächtiges gehört oder gesehen?"

Als es Nacht geworden war, und der Mond den Marktplatz mit dem alten Galgenbaum hell erleuchtete, nur kurz unterbrochen von ein paar verdunkelnden Wolken, da huschte ein Schatten von Hauswand zu Hauswand.
Er war dabei gewesen, als sich die Fremden dem Baum, an dem er gerade gelehnt hatte, näherten und das Pergament anschlugen. Er hasste es, inmitten von Menschen zu stehen, darum hatte er sich eiligst verzogen, nicht ohne sich das Aussehen der Fremden eingeprägt zu haben.
Die Sterne funkelten, dort, wo der Himmel klar war. Vereinzelte Wolken, die immer dicker wurden, aber keine Regenwolken waren, veränderten das Licht auf dem Platz. Er entschloss sich, doch lieber im Schatten des Gildehauses zu bleiben, und sich das Stück Pergament, das da am Baum wehte, aus der Ferne näher zu betrachten. Zu diesem Zweck holte er sich sein Fernrohr heraus, dass er irgendwann in einer Stadt in einem Ramschladen erstanden hatte. Er richtete es auf das Pergament, und...
Mist! Eine große Wolke hatte sich plötzlich vor den Mond geschoben. Er konnte nichts mehr lesen. Er musste also doch näher heran.
Er entschied sich, eine der Hauptgassen zum Marktplatz hin zu benutzen, um sich damit das Bild eines unbescholtenen Bürgers, der spät Heim ging, zu geben. Also huschte er fort, zum nächsten Schatten.

In einer der Hauptgassen herangekommen, glitt er lautlos aus dem Dunkel heraus, nicht, ohne sich vorher vergewissert zu haben, dass ihn niemand beobachtete. Auf dem Weg zum alten Galgenbaum trat er etwas kräftiger mit den Schuhen auf, um nicht den Eindruck zu erwecken, er käme geradewegs aus dem Häuserschatten. Er ging auf den Baum zu.

Das Pergament war tatsächlich so aufregend neu, wie er es sich bereits gedacht hatte. Feinstes Pergament, wie er fühlte. Und solcherart gekleidete Fremde hatte er auch eine ganze Weile nicht mehr gesehen.
Und ein Lindwurm, der des Königs Tochter entführt hatte, das war auch schon lange nicht mehr geschehen. War dieser Drache neu hier in der Gegend? Er dachte sich: "Wo ein Drache ist, muss auch ein Hort sein, und Drachen sammeln gerne exquisite Stücke. Da müsste eigentlich auch etwas für mich dabei sein!
Und die Hand der jüngsten Tochter des Königs! Das ist schon was! Aber nein, wenn sie um einiges jünger ist als ich, unerfahren mit den Menschen und dem Leben, dann will ich sie nicht."
Aber es wäre schon recht, wenn es darum ging, seine Einsamkeit, die ihn nun schon seit Jahren verfolgte, zu heilen. Da würde er notfalls auch auf das Geld verzichten. Eine Streunerin wie er, eine Einzelgängerin, erfahren mit Licht und Schatten, so eine suchte er nun schon seit Jahren. Und er fragte sich, warum solche Frauen so selten waren.

Er machte sich auf, zu seinem Haus, das er einst geerbt. Zum Glück gab es hier in der Stadt keine Hausunterhaltssteuern, sonst hätte er seinen "Stützpunkt" - wie er sein Heim nannte - längst verkaufen müssen. Als normaler Bürger, der er nun war, konnte er es sich leisten, nicht auf das Quietschen seiner Haustüre zu achten, gleichwohl er bei dem Geräusch zusammenfuhr. Im Haus suchte er sich einige Sachen zusammen, von denen er glaubte, er wurde sie brauchen, wie auch seine grün-graue Waldläuferkleidung.
Morgen würde er sich bei der Stadtgarde vorstellen.

Als er in der Stadtwache ankam, hörte er natürlich sofort, dass die anderen schon weg waren, wie konnte es auch anders sein. Er beschloss, den anderen hinterher zu marschieren. Die Fußstapfen des Thirvalders waren ja nicht zu übersehen.

Nach einem langen, anstrengenden und eintönigen Fußmarsch, entschieden sich die Gefährten, eine Schlafstatt für die Nacht zu finden. Nun, eigentlich war es Ulath, der riesige Thirvalder, der es "entschieden" hatte. Aufgrund seines Alkoholkonsums fiel er nämlich einige Zeit nach Sonnenuntergang schlicht um. Die anderen schleppten ihn daraufhin verdrießlich bis zu einem überhängenden Felsen, der ihnen für die Nacht als Ruhestätte genügen musste.
Wenigstens würde er ihnen etwas Schutz vor dem kräftigen Wind geben. Der "Fuchs" bewies Freksische Tugenden, indem er trotz des Windes das feuchte Holz problemlos zu einem kleinen Lagerfeuer entzünden konnte. Die drei noch wachen Reisegefährten versammelten sich um das Feuer herum. Zunächst saßen sie schweigend, das Misstrauen untereinander war nicht zu übersehen.

Doch ein, zwei Scherze Sajets, der Südländerin, über den laut schnarchenden Thirvalder lockerten die Stimmung, und die Gefährten stellten sich gegenseitig etwas näher vor:
"Guten Tag mein Name ist Eolus, und ich denke ich kann euch bei der Drachenjagd behilflich sein. Vom Gold will ich nichts, lasst mir nur den Karfunkelstein des Drachen, das ist mein Begehr..." sagte plötzlich eine Stimme aus dem Hintergrund, "ich habe den Anschlag gelesen und bin Euren Spuren gefolgt. Ich dachte mir vielleicht könnt ihr noch einen Magier gebrauchen."
Sprachs und setzte sich zu den anderen, die gegen eine Verstärkung der Truppe nichts einzuwenden hatten. Nachdem sie sich gegenseitig vorgestellt hatten und Thorwyn zur ersten Nachtwache eingeteilt hatten beschlossen sie, zunächst erst mal zu schlafen.

In einem entfernten Turm beobachtete ein alter Zauberer die Zusammenkunft der Abenteurer mit argwöhnischen Augen. Zulange schon hat er seine Fäden geknüpft, um endlich sein, sich selbst auferlegte, Aufgabe zu erfüllen. Noch weiß er nicht, ob er sie als Bedrohung einstufen soll, oder ob sie seine Aufgaben unterstützen können.
Flüchtig suchte er einige Pergamentrollen zusammen und verließ seine Unterkunft. Der Fuchs in Menschengestalt hatte sich die Mitternachtswache erbeten und das hatte einen besonderen Grund. Der alte Magier hatte dem Fuchs nämlich folgendes gesagt:
"Der Verwandlungszauber wirkt 30 Tage lang perfekt. Niemand wird dich in dieser Zeit als Fuchs erkennen können. Aber es gibt zwei Dinge, die Du zu beachten hast. Jede Nacht um Mitternacht verwandelst Du Dich für eine Stunde zurück in Deine ursprüngliche Form. Das lässt sich nicht verhindern. Also sei vorsichtig!"
Daraufhin war der Magier in einen tiefen Schlummer gefallen, und war nicht wieder aufzuwecken gewesen. So kam es, dass der Fuchs den zweiten wichtigen Punkt nicht mehr erfahren konnte...
Um Mitternacht hatte der Fuchs gerade seine Wache angetreten, als er sich in seine Fuchsgestalt zurückzuverwandeln begann. So streifte er also eine Stunde lang um das Lager, auf alle verdächtigen Witterungen achtend.

Währenddessen war die dunkle Gestalt aus dem Schloss der tapferen Heldenschar bereits erheblich näher gekommen. Sie hätte in dieser Dunkelheit der Spur gar nicht folgen können, wenn nicht das Amulett der hinterhältigen Königstochter ihr den Weg gewiesen hätte.
Jetzt gönnte sich der finstere Geselle eine Verschnaufpause. Der Weg war nicht angenehm gewesen. Er war völlig verkratzt und hatte eine große Beule auf der Stirn davongetragen. Missmutig hielt er nun über das Amulett Rücksprache mit seiner Halbschwester.
"Ihr Lager liegt nur knappe zwei Stunden vor Dir! Du musst es heute Nacht noch umgehen!" sagte eine schrille Stimme in seinem Kopf.
"Wie weit ist es noch bis zum Lager dieses Lindwurms?" dachte er.
"Noch gute 5 Tage! Morgen führt sie ihr Weg über eine Furt! Die einzige in weitem Umkreis. Der Fluss ist um diese Jahreszeit so angeschwollen, dass ihnen keine Wahl bleibt. Sie können nur diesen Weg nehmen. Und selbst dieser Übergang ist noch sehr gefährlich!"
"Also werde ich dort einen Hinterhalt legen?" fragte der Halunke.
"Sehr scharfsinnig!" frotzelte die schrille Stimme in seinem Kopf. "Ich habe bereits eine Anzahl Oger dort postiert! Sie sind nicht sehr klug, können aber mit Speer und Keule umgehen. Du wirst die Wegelagerer instruieren und dann weiterziehen, damit Du vor den Helden bist. Vergiss aber nicht, dich der Furt vorsichtig zu nähern, so dass die Oger nicht versehentlich Dich angreifen. Sie sind nicht sehr helle!"
"Das sagtest Du bereits!" seufzte er.

Die Nacht verlief ansonsten ereignislos. Am nächsten Morgen, weckte der Magier die friedlich schlummernde Heldengruppe auf.

Da hätten wir doch fast unseren Sänger Aidan vergessen. Auch er ist der Heldentruppe gefolgt. Da er aber die meiste Zeit seines Lebens in Wirtshäusern verbracht hatte und dort von Abenteuern gesungen hat die ihm vorbeiziehende Reisende berichteten, war er weit hinter der anderen Truppe. Da er sich etwas fürchtete suchte er sich abseits von Weg ein ruhiges Plätzchen, zündete ein Feuer an und sang zu seiner Laute Lieder die ihm Mut machen sollten.
"Bravo" sagte plötzlich eine Stimme. Aidan schaute verschreckt hoch. An einem Baum gelehnt stand eine Waldelfe. "Was machst Du denn hier mitten im Wald ohne Zuhörer?".
Aidan erzählte ihr von seine unglücklichen Liebe zur Prinzessin und dass er zum Drachen will.
"Tolle Idee und willst Du den Drachen mit der Laute bekämpfen?"
"Na ja ich..."
"Hast Du was dagegen, wenn ich mitkomme, das muss ich mir ansehen! Ich bin gerade aus meinem Elfendorf losgezogen um mir die Welt ein wenig anzusehen. Übrigens mein Name ist Xera"
Aidan war etwas schockiert: "Hast du keine Angst so allein, so als ..."
"...als Frau? Im Gegensatz zu Dir hab ich einen Bogen und das Kämpfen mit dem Messer beherrsche ich auch ganz gut, ich mach auch nicht mitten in der Nacht im Wald soviel Lärm dass gleich jeder Räuber weiß wo er mich finden kann"
"Einem Sänger tut keiner was!"
"Steht im Handbuch für fahrende Sänger, aber Goblins können nicht lesen! Ich sehe schon ich muss mitkommen und dich beschützen, damit Du lebend beim Drachen ankommst. Leg Dich ruhig schlafen ich halte Wache."

Wer kann einer solchen Aufforderung etwas entgegensetzen. Aidan nicht, also beschloss er zu schlafen. Morgen ist auch noch ein Tag.

Knoer, der Anführer der Oger am Fluss war ein äußerst gewiefter Stratege. Wenigstens hielt er sich selber dafür. Bereits am frühen Morgen hatte er seine Leute verteilt. Eine einfache Aufgabe, hatte ihm dieser fremde Oger mit dem seltsamen Akzent gesagt. Eine Handvoll Helden an der seichten Stelle am Fluss abfangen.
"Ey, Schnickschnack und Groentz, ihr geht auf die andere Seite des Flusses und versteckt Euch dort! Doch lasst Euch nicht sehen, Ihr Maden!"
"Ach was, Schnickschnack. Uns sehen lassen? Komm Groentz, wir gehen rüber. Was erzählt unser Chef auch schon wieder für einen Schnickschnack..."

Knoer verzog misstrauisch das Gesicht. Auf diesen Schnickschnack musste er aufpassen, der wurde langsam zu aufmüpfig. Und außerdem redete er zuviel. Aber ein guter Speerwerfer war er schon, und deshalb genau richtig für die Aufgabe.
Sorgfältig postierte er nun den Rest seiner Truppe.
"Und vergesst nicht, wir greifen erst an, wenn sie in der Mitte des Flusses sind."
Er blickte in die stumm nickenden Gesichter. "Wer denn?" erklang es dann zögerlich aus der Gruppe, als er sich bereits abwenden wollte. Natürlich Brocken, der hatte bei der Besprechung heute morgen wieder nicht zugehört. Womit hatte Knoer das nur verdient? Alles Schwachköpfe, und er war ihr Chef!
"Zielt gut mit Euren Speeren!" knurrte er missmutig. "Und lasst keinen mehr aus dem Wasser, ihr Würmer, sonst macht ihr Bekanntschaft mit MEINER Keule. Einfach BUM-BUM und ihr macht Brei aus ihren Schädeln..."

Na, die würden schon parieren! Es war ja auch nicht das erste Mal, dass diese Bande einer ahnungslosen Reisegruppe auflauerte. Und so warteten die Oger darauf, dass die "Fische ihnen ins Netz gehen würden". Da machte er auch schon das Handzeichen von Groentz aus. Die Fremden waren bereits ganz nah am Fluss. In wilder Vorfreude rieb sich Knoer seine gewaltigen Pranken.

Während Thorwyn, Sajet und Ulath mit gezückten Waffen einen schützenden Halbkreis vor dem Rest der Gruppe bildeten und die Ankömmlinge misstrauisch beäugten, hatte sich Xera vorsichtig dem Rand der Grube genähert. Am Boden der Grube lag... erschreckt prallte die junge Waldelfe zurück. Gerade noch fing sie Aidan ab, der sich ebenfalls bemühte, einen Blick in das Loch zu werfen.
"Da solltest Du nicht hineinschauen, Mensch! Komm lieber mit mir ein Stück abseits."
Für einen kurzen Moment begegnete ihr Blick dem des Hundes, der sie scheinbar flehentlich anzuschauen schien. Stumm schüttelte sie den Kopf. Es war, als ob das treue Tier sie verstanden hätte. Mit lauter Stimme begann es erneut das Schicksal seines Herrchens zu betrauern...

Inzwischen hatten auch die anderen ihren Schreck vor dem vermeintlichen Hinterhalt überwunden. Etwas verschämt steckten sie ihre Waffen wieder weg.

Mann, ihre Gruppe wurde ja immer größer. Mittlerweile waren sie ja bereits eine kleine Armee. Bald musste man sich ernsthafte Gedanken über die Logistik machen. Ob es vorteilhaft wäre, die Gruppe aufzuteilen?
Seinen ursprünglichen Plan, mit einer kleinen Gruppe schnell und unbemerkt in die Nähe des Lindwurms zu gelangen um ihn zu überraschen, konnte Ulath nun wirklich langsam aufgeben. Er musste unbedingt mit Fuchs, Xera und dem Streuner reden. Sie brauchten jetzt möglicherweise einen eigenen Jagdtrupp, der genügend Nahrung heranschaffen musste. Also würden sie noch langsamer vorankommen, als bisher schon. Bei Swevnir!

Krasnegar hatte einen ganzen Arm voll Brennholz in die Hütte getragen und mit lautem Gepolter auf den Boden neben dem Kamin geworfen. Nun kramte er mit der linken Hand in einem Beutel nach Zunder. Es wurde doch langsam kalt, hier am Fuße des Gebirges. Heute morgen hatte er bereits seine Fallen kontrolliert und zwei schöne fette Nagetiere in ihnen gefunden. Die wollte er nun häuten und für das Abendessen vorbereiten. Mittags aß Krasnegar normalerweise gar nichts, außer vielleicht ein paar Beeren und Nüssen, die er im Wald eingesammelt hatte. Dazu gönnte er sich noch einen kleinen Schluck Zwergenschnaps, den er zweimal im Jahr bei einem vorbeiziehenden Händler eintauschte.

Schließlich hatte Krasnegar den gesuchten Zunder gefunden und kniete sich nun vor den Kamin, um Feuer zu machen. Da hörte der Zwerg in seinem Rücken ein Geräusch. Er lauschte einen Moment um zu entscheiden, ob sich das Aufstehen lohnte. Doch es war nichts weiter zu hören. Da hatte er sich wohl getäuscht.
"Na, Kras, du wirst langsam wirklich alt" sagte er halblaut zu sich selbst, um den leichten Schauer der Überraschung zu vertreiben.

Klapp-klapp-klapp

Da waren doch Schritte vor seiner Hütte! Dieses mal war er sich ganz sicher. Es kam jemand zu Besuch? Hatte ihn seine Ahnung also doch nicht getäuscht!
Wer konnte das nur sein? Etwas schwerfällig begann er sich vom Boden zu erheben. Ob Sam Dry River zurückgekommen war? Gestern erst war er von hier aufgebrochen. Vielleicht hatte der Waldläufer wieder einmal etwas vergessen und war umgekehrt. Doch dann hätte der Zwerg schon längst das Bellen von Bärenpfote gehört, Sams riesigem, braunen Hund.

Krasnegars Hand tastete nach seinem schweren Jagdmesser, das er nach dem morgendlichen Streifzug durch den Wald achtlos auf den Stuhl abgelegt und bislang noch nicht gesäubert hatte.

"Bist Du da, Krüppelhand?" tönte es von draußen. Die Stimme war ungewöhnlich tief.
Krasnegars Hand schloss sich ganz fest um den Griff seines Messers...

Bärenpfote war unschlüssig, was er als nächstes tun sollte. Sein zweibeiniger Rudelführer bewegte sich nicht mehr und würde hier zurückbleiben. Soviel war auch seinem einfachen Hundeverstand klar. Einen Moment lang hatte er noch Hoffnung gehabt, als die anderen Zweibeiner den schlaffen Körper aus der Grube gehoben hatten. Aber dieser hatte keinen Laut von sich gegeben und sich auch nicht mehr von alleine bewegt.
Bärenpfote hatte wieder angefangen zu winseln, um seine Trauer auszudrücken. Dann hatten die Zweibeiner seinen verletzten Rudelführer vorsichtig zur Seite geschafft und mit Steinen zugedeckt. Da wusste Bärenpfote, dass er ab jetzt alleine war. Sein Instinkt sagte ihm, dass er sich ein neues Rudel suchen musste... vielleicht konnte er sich einem der hier vorhandenen Zweibeiner anschließen.

Die Zweibeiner zogen nur ein kleines Stück weiter und lagerten dann, um sich gegenseitig anzubellen. Augenscheinlich besprachen sie, in welche Jagdgründe sie von hier aus ziehen wollten. Zeit genug für Bärenpfote, sich einen neuen Kameraden zu suchen. Der Zweibeiner, der als erster in das Loch geschaut hatte, bellte nur wenig und wenn dann nur ganz leise. Sie redete zu Bärenpfote fast nur mit den Augen, aber kaum mit ihren Pfoten. Aber er liebte es, wenn "sein" Zweibeiner ihn auch mit den Pfoten berührte und liebkoste. Also würde er sich noch ein wenig weiter umschauen...
Da war noch dieser riesige Zweibeiner. Er war fast einen Kopf größer als alle anderen. Er war mit Sicherheit ihr Rudelführer. Sein Bellen war laut und bestimmend. Niemand bellte dazwischen, wenn er den Ton angab. Bärenpfote näherte sich ihm vorsichtig und unterwürfig, doch er wurde keines Blickes gewürdigt. Etwas forscher ließ er einen kurzen Beller hören und wartete auf die Reaktion. Und die kam auch, aber anders als Bärenpfote es erwartet hatte. Ein scharfer Blick und ein kurzer Tritt verwiesen ihn in seine Schranken. Wie unhöflich! Sollte er dieses fremde Rudel doch lieber verlassen?

Doch da näherte sich ihm einer der anderen vorsichtig und bellte ganz leise und freundlich zu ihm. Das war der, der sich als zweiter dem Loch genähert hatte, dann aber von der ersten zurückgetrieben worden war. Jetzt hielt er ihm seine Pfote hin und ließ sich zur Begrüßung beschnuppern. Na, das war ja mal ein vielversprechender Anfang. Bärenpfote wedelte freundschaftlich mit seiner Rute und hechelte in froher Erwartung. Jetzt begann ihn der Zweibeiner mit seinen Pfoten zu berühren, so wie es auch sein alter Kamerad immer mit ihm gemacht hatte. Obwohl sich der Riese auf einen Stein setzte und weiter dem Gebell der anderen Hunde zuhörte (dabei viel ihm auf, dass dieser nicht mitbellte), hörte er nicht auf, Bärenpfote freundlich zu berühren.
Da begann er den Hund ausgiebig zu beschnuppern. Dieses komische Holzding, dass er aus seinen Rücken gespannt hatte, hatte er neben sich ins Gras gelegt. Dabei hatte es einen komischen Ton von sich gegeben. Es klang irgendwie seltsam und interessant. Ob es noch andere Töne von sich geben konnte? Na, er würde ja sehen. Nachdem er sich die Witterung seines neuen Rudelführers eingeprägt hatte, legte er seinen Kopf auf dessen Hinterläufe. Beide nahmen Blickkontakt auf und der Blick des anderen war tief und freundlich. Bärenpfote begann noch einmal zu winseln, da er seinen alten Kameraden noch nicht ganz vergessen hatte. Doch als der Zweibeiner seine tröstenden Berührungen sogar noch verstärkte, wusste Bärenpfote, mit wem er von nun an weiterziehen würde...

Aidan kraulte ganz in Gedanken versunken den herrenlosen Hund. Es schien ihm zu gefallen. Ein schöner Hund. Wir sollten Freunde werden dachte er. Wenn dieses Abenteuer überstanden ist kommst du mit mir in die Kneipen, wo ein Barde satt wird sollte auch für seinen Hund genug abfallen.
Der Hund trug ein Lederhalsband. Aidan sah es sich etwas genauer an, er hoffte etwas über die Besitzer zu erfahren um eventuell Verwandte aufzuspüren. In das Halsband waren Schriftzeichen eingebrannt. "Bärenpfote" war da zu lesen.
"Bärenpfote?" murmelte Aidan, der Hund sah zu ihm auf. "Ist das dein Name mein Freund? Bärenpfote? Schade dass Du nicht reden kannst. Ist ja auch egal ich werd Dich Bärenpfote nennen"
Die Gefährten hatten sich zu einer kurzen Rast niedergelassen. Das Begraben des armen Wanderers und das Zuschütten der Fallgrube hatte doch einige Zeit gekostet. Die Sonne hatte ihren höchsten Stand schon überschritten. Aber Xera hatte vorhin geäußert, dass es bis zur Hütte des alten Zwerges nicht mehr weit war, höchstens noch eine Stunde.

Aidan schaute zu Ulath. Der Hüne übernahm nun doch sehr entschieden die Führung. Na ja ihm war es egal. Nach der zweiten Nacht auf der harten Erde und der zweiten Falle auf ihrem Weg zweifelte Aidan schon ein wenig daran, dass er je den Drachen erreichte. Aber wenn die anderen ihn duldeten. Einer muss ja schließlich nach dem Kampf über ihre Taten berichten und dann war da noch die Prinzessin. Nicht das er glaubte sie je heiraten zu dürfen, wer war er schon im Vergleich zu ihr, aber vielleicht ein Wort, ein Lächeln von ihr.
Aha, Ulath trieb zum Aufbruch. Er freute sich bestimmt schon auf den Zwergenschnaps. Nun ja, Pläne über ihr weiteres Vorgehen konnten sie auch machen, nachdem sie sich mit dem Zwerg beraten hatten.
"Komm mein Freund, es geht los" sage Aidan zu dem Hund und kraulte ihn noch einmal.
"He Aidan bleib nicht zurück" rief es vom Weg. Ulath schaute grimmig: "Lass den Hund oder nimm ihn mit, aber beeil Dich!"
Die Gruppe war jetzt schon ganz schön angewachsen. Langsam wurde die Organisation ein Problem. Der Streuner und der Fuchs waren längst wieder im Wald verschwunden. Ulath stöhnte.
"Das ist keine Truppe das ist eine Bande, jeder macht was er will, als wären wir hier auf einem Spaziergang und nicht auf den Weg zu einem Kampf." dachte er. Na ja, zu Thorwyn, Sajet, Xera und dem neuen "Hakenhand" wie er ihn heimlich nannte, konnte man schon Zutrauen haben. Der Barde schien schon wieder vergessen zu haben, dass sie gerade eben fast in eine Falle getappt waren. Der Magier träumte wie immer.
"Wenn er wieder zurückbleibt und macht was er will, sollte ich mal ein erstes Wort mit ihm reden aber jetzt müssen wir erst mal den Zwerg finden."

Der Fuchs konnte sich eines leichten Lächelns nicht erwehren. Wie naiv doch diese Menschen wahren. Der Streuner und Ulath mochten vielleicht ihren Spaß daran haben, ihre Spielchen mit diesem finsteren Mann zu treiben, er aber hatte schon längst bemerkt, dass dieser nicht allein war.
Mit ein paar schnellen geflüsterten Worten verständigte er die Gefährten, die ihm am nächsten waren, als sich auch schon seine Befürchtung bewahrheitete: Der Alte aus der Hütte schrie: "Hinterhalt", und schon stürzten lauter Gestalten auf sie herab.

Aber die Überraschung war ihnen, dank seiner Aufmerksamkeit, misslungen. Völlig ungedeckt hatten sie einen Großteil der Gruppe niedermachen wollen, nun wurde ihnen ihre Sicherheit zum Verhängnis.
Mit einer blitzschnellen Bewegung wich der Fuchs zwei Feinden aus und konnte die Schutzlosen mit seinem Degen durchbohren.

Auch Sajet reagierte richtig, sie parierte einen nahenden Schlag mit einem ihrer Schwerter und schlug mit dem anderen zu, die anderen hatten ihren Angreifern zumindest ausweichen können.
Lediglich Aidan war etwas in Gedanken versunken und hätte wohl kaum eine Chance gehabt, hätte nicht sein neuer Freund den Gegner noch im Sprung an der Kehle gepackt und so seinem dem Sänger das Leben gerettet.
Aber auch nach diesem glücklichen Anfang des Gefechts sah es bestenfalls ausgeglichen für die Helden aus. Mindestens ein Dutzend grobschlächtiger Gesellen stand ihnen nun mit gezückten Waffen gegenüber.
Aber seltsamerweise schien ihnen jeglicher Kampfesmut zu fehlen, im Gegenteil, schreckerfüllt starrten sie auf ihren Anführer.
Dieser hatte vollkommen bewegungslos den Anfang des Kampfes erlebt, und jetzt wusste der Fuchs auch warum. Denn er fiel nun leblos nach vorn, das Jagdmesser des Zwerges steckte bis zum Schaft in seinem Rücken.

Mit ihrem Führer hatte die Räuber aber auch jeder Mut verlassen, so dass sie in Panik davonrannten, ohne es zu einem weiteren Kampf kommen zu lassen, verfolgt vom Triumphgeschrei des Zwerges, der ihnen noch ein paar Schritte hinterher rannte und schrie, sie sollten sich nie wieder mit einem Zwerg anlegen.

Derlaf kratzte sich mit seinem Haken am Kopf. Was war das bloß für eine Truppe? Und was hatte sie bloß für Manieren? Immer noch wartete er darauf, dass ihn jemand aufklärte, was denn nun Sache sei. Statt dessen wurde dies gemurmelt, das gemurmelt. Prinzessin, Lindwurm, anschleichen... Nun ja, mit einer solchen Truppe konnte sich das durchaus schwierig gestalten, aber notfalls musste man halt improvisieren. Und genau das war Derlafs Spezialgebiet.

Er sah sich nochmals in der Gruppe um. Er kannte nicht einmal von allen die Namen. Vorsichtig erhob er sich und wagte einen weiteren Versuch:
"Nun, wenn wir nun schon gemeinsam zu Felde ziehen, so könnten wir uns wenigstens ein bisschen vertrauter machen. Ich habe mich Euch zwar angeschlossen, doch bis jetzt weiß ich nicht mehr, als vorher auch schon. Würdet Ihr einem verwirrten Gefährten also die Ehre erweisen und ihn aufklären? Damit wäre ich Euch sehr zu Dank verpflichtet, werte Damen und Herren, und könnte Euch das volle Potential meiner Fähigkeiten darbieten."
Ein Freksisches Lächeln umspielte sein Gesicht als er sich mit theatralischer Überspitztheit wieder hinsetzte.

Eolus stand wieder abseits der Gruppe. Ihm war es allemal lieber der Gruppe als "Berater" und "Helfer" beizustehen auf dem Weg zum Lindwurm, als durch unausgeklügeltes Verhalten auf dem Weg den Sieg zu verbauen. Deswegen war es ihm auch schleierhaft, warum die anderen unbedingt bei dem Zwerg halten mussten. Na ja, er war nun hier. Den Hinterhalt hat er schon viel eher gerochen als die anderen die Situation überhaupt erkannten. Aber dies würde der erste Teil der Prüfungen sein, die er den anderen stellen würde...

Einer der Räuber war ihm unnötig zu nahe gekommen, wahrscheinlich weil er in ihm eine leichte Beute sah. Aber das war Eolus Donnersturm bestimmt nicht... Nein, noch bevor der Räuber wusste was mit ihm geschah lag er am Boden und winselte vor sich hin... Eolus beobachtete die anderen...

Nun der Zwerg war gut... aber er überlegte schlecht... Den Anführer zu töten hieß kostbare Informationen in den Wind zu schicken...
Eolus sah in den Himmel und studierte die Wolkenbewegungen... es würde Sturm geben. Ob die anderen es wüssten... Vielleicht sollte er mal mit Ulath darüber reden wie es weitergehen soll. Es behagte ihm nicht, dass das Wetter zu ihren Ungunsten umschlagen würde, aber die Götter werden sich schon etwas dabei gedacht haben.

In der Ferne hörte er eine leise Melodie. Eine Frau sang eine alte Weise die von mutigen Rittern und bösen Drachen handelte. Er trat zu den anderen. Warum wurden es nur jedes Mal, wenn er wieder bei ihnen war, mehr? Er musste schmunzeln... Wenn das so weitergehen würde, hätte niemand mehr etwas von dem Gold, da es unter vielen aufgeteilt werden musste. Na ja, ihm war ja das Gold egal, er wollte nur versuchen das Herz der Prinzessin zu erobern. Er schaute die anderen einzeln und stumm an. Wer von ihnen würde auch alles tun um die Prinzessin zu haben. Kurz überlegte er ob er nicht in ihren Geist schauen sollte, aber dann überlegte er sich's anders und ging zu Ulath der bei dem Zwerg stand.

Freundschaftlich grüßte er den kleinen Mann und flüsterte dann Ulath ins Ohr, das es bald Sturm geben würde, und man sich überlegen müsste ob man hier bleiben würde und 2-3 Tage verlieren sollte, oder ob es einen Weg gäbe das Unwetter anderweitig zu umgehen... Die Berge böten ja einen guten Unterschlupf für eine verwegene Heldentruppe wie die ihre.

Der Tag war ganz freundlich. Es gab zwar Wolken am Himmel, aber ab und zu kam die Sonne durch. Zwitschernde Vögel ringsum. So machte der weitere Weg kaum jemand etwas aus. Durch die Bäume sah man schon ab und zu die schroffen Spitzen der Berge. Dieser breite Weg war gut geeignet für durchziehende Händler mit ihren Karren. Der Handel mit der Goldgräbern warf einigen Gewinn ab, sie benötigten immer Werkzeuge, Nahrungsmittel und vor allem Schnaps. Die meiste Gold was sie fanden, verschwand so in den Taschen der Händler.

Sie näherten sich der grob gezimmerten Blockhütte, die jedoch Liebe zum Detail zeigte, was man an den nicht auf dem ersten Blick ins Auge fallenden Verzierungen erkennen konnte. Die Blockhütte des Zwerges - wenn er denn auch wirklich darin wohnte - lag abseits des Weges, war aber vom Weg aus relativ gut zu erreichen. Vor allen Dingen, wenn man den dünnen Pfad sah, der zu der Hütte führte.
Xera, die Elfe führte die Truppe an, da sie als einzige den Weg genau kannte. Der Rest der Gruppe flüsterte über die Probleme, die sich ihnen stellen mochten.
Sie kamen gerade an der Hütte an, als ein riesiger, grobschlächtiger Hüne - sehr groß, sehr stark, sehr grob - an die Türe klopfte. Der Streuner konnte geradezu spüren, dass dieser Mensch böse war.
Der Streuner, der seinen Namen immer noch nicht genannte hatte, hatte eine Idee. Er winkte Ulath, den Thirvalder an sich heran und flüsterte ihm etwas ins Ohr.
Der riesige Thirvalder konnte sein brüllendes Lachen noch gerade unterdrücken, da war es auch schon soweit.

Von innen wurde die schwere Blocktüre entriegelt, und der Zwerg kam heraus. In seiner Hand hielt er ein gefährliches Messer, und in seinem Gesicht waren sowohl Wut als auch - etwas versteckter - Furcht zu erkennen.
Der Thirvalder schlich sich, so gut er konnte, an den anderen Hünen heran, und schlug ihm gerade, als der etwas zu dem Zwerg sagen wollte, mit voller Wucht auf die Schulter, ein freundschaftlicher Schulterklopfer unter Thirvaldern eben.
Dann sagte er mit dröhnender Stimme (sein Lachen konnte er nur mit Mühe unterdrücken): "Hallo, Guter Mann! Seid Ihr nicht der Mann, der den Zwerg, der hier wohnt, beschützt und ihn mit all den Guten Sachen versorgt, von denen wir auch gerne etwas hätten?"
Der Thirvalder redete etwas zu plump in den Ohren des Streuners. Er hätte das Ganze etwas subtiler formuliert...aber, na ja, es kam ja auf den Effekt an, und das hatte ja geklappt!

Der grobschlächtige Hüne drehte sich langsam um. Dass er ganz kurz vor Schreck zusammengezuckt war, hatte kaum jemand bemerkt, hoffte er. In seinem Gesicht waren sowohl Verwirrung als auch Wut geschrieben.
Es verschlug ihm schlicht die Sprache. ER, als BESCHÜTZER dieses kleinen Wichtes, der sich Krasnegar nannte? Was war denn das für ein Irrsinn? Und was sollte er jetzt antworten?

Der Streuner konnte richtig SEHEN, wie es im Kopf des Hünen arbeitete. Er mahlte mit den Zähnen, als ob er so seinen Denkprozess beschleunigen könnte.
Ein dumpfer, gefährlicher Gegner, also. Erst schlagen, dann nachdenken. Da musste man aufpassen!
Trotzdem freute er sich, den Hünen verwirrt zu haben, denn er mochte keine bösen Menschen. Er blickte auf den Zwerg. Der Streuner hatte oft Zwerge gesehen, aber noch nie einen, der eine solche Verwirrtheit und Überraschung im Gesicht hatte. Das würde lustig werden!
Nun galt es, den Zwerg zum Verbündeten gegen diesen bösen Hünen zu gewinnen... falls er das nicht schon längst war.

Krasnegar war verblüfft und sprachlos, was bei dem alten, erfahrenen Zwerg nicht gerade häufig vorkam. Er hatte die tiefe Stimme natürlich sofort als die seines damaligen Peinigers erkannt und wutentbrannt die Türe seiner Blockhütte aufgerissen. Doch dann war er vor Überraschung wie gelähmt...

Der Schurke war auch dieses Mal nicht alleine gekommen, sondern hatte eine ganze Bande Helfershelfer mitgebracht. Krasnegar erkannte einen großen Mann mit Kriegsaxt - wahrscheinlich ein Thirvalder - ein etwas heruntergekommener Bursche in Waldläufer-Kleidung, eine Gestalt mit wild aussehender Hakenhand, eine Elfenkriegerin - was machte die nur bei dem Haufen? - sowie eine Reihe weiterer, wüst aussehender Gesellen.
Na, er würde sich teuer verkaufen! Ein bis zwei von ihnen würde er in den Tod mitnehmen. Die sollten es bereuen, sich mit ihm angelegt zu haben. Er hatte immer noch sein schweres Jagdmesser fest in seiner linken Hand.

Doch da schlug plötzlich einer der Schurken dem Mann mit der tiefen Stimme auf die Schulter. Dieser drehte sich daraufhin wie überrascht um. Was war das denn nur wieder für ein Trick? Der erste Mann sagte etwas, was Krasnegar nicht richtig verstehen konnte, aber nun war es an seinem Gegenüber, wie gelähmt dazustehen. Schon dachte der Zwerg daran, die günstige Gelegenheit zu nutzen und wenigstens seinem alten Feind vor seinem Ende noch den Garaus zu machen. Aber er konnte sich immer noch nicht recht entscheiden. Bald war es zu spät und seine vielleicht einzige Chance auf Rache vertan, nämlich wenn der Gegner sich von seinem Schrecken erholt hatte...

Doch in der nun auf einmal herrschenden Stille hörte Krasnegar plötzlich neue Geräusche von links, so als ob sich jemand an der Seitenwand seiner Hütte entlang schlich. Warum sollte sich denn dort noch jemand verstecken? Die Übermacht der Feinde war doch jetzt schon so groß. Da stimmte doch was ganz und gar nicht!
Da fiel Krasnegars Blick plötzlich auf den Hund, der neben dem Mann mit der Laute stand und von diesem am Bellen gehindert wurde. Bärenpfote! Doch Bärenpfote würde sich niemals freiwillig von seinem Herrchen trennen. Also war sein alter Freund Sam Dry River irgendwo in der Nähe, und... da hörte er wieder das Geräusch von der Seitenwand seiner Hütte und endlich, endlich hatte er die Situation begriffen!

"HINTERHALT!" brüllte er so laut er nur konnte, warf sich auf dem vor ihm stehenden Mann und stieß mit aller Kraft mit seinem Messer zu. Im selben Moment erblickte er in den Augenwinkeln, wie eine große Anzahl finsterer Gestalten mit lautem Geschrei auf beiden Seiten auftauchten und sich auf die vor der Hütte stehende Menschenmenge stürzten. Und plötzlich herrschte überall um Krasnegar herum das totale Chaos...

Siehe auch[]

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